Foto: Matt Blank / Ian Flanders

Basejumping: Wenn der Traum vom Fliegen zum Alptraum wird

Ekstase und Tod fliegen dicht nebeneinander beim Basejumping. Den Amerikaner Ian Flanders kostete seine Leidenschaft das Leben. Sein Partner Matt Blank springt immer noch. Die Geschichte einer Freundschaft.

Es gibt nicht viele Basejumper auf der Welt. Zweitausend, schätzt Matt Blank, vielleicht zweieinhalbtausend. Zwanzig bis dreißig verunglücken tödlich pro Jahr. Risikoforscher geben unterschiedliche Zahlen an, jeder wievielte Sprung ins Grab führt. Manche sagen, jeder fünfhunderdste. Manche meinen, jeder zweitausendfünfhunderdste. Blank hält wenig von solchen Berechnungen. „Niemand weiß genau, wie viele Sprünge Basejumper absolvieren.“ Vieles im Basejumping geschieht im Verborgenen, weil es illegal ist. Bürgermeister schätzen es nicht, wenn sich in ihren Städten Leute von Wolkenkratzern stürzen und erst kurz vor Schluss einen Fallschirm ziehen. Felsklippen draußen in der Wildnis lassen sich schlechter kontrollieren, trotzdem verfolgen US-Basejumper eine Politik der Geheimhaltung, um keine Aufmerksamkeit auf ihre Absprungplätze zu lenken, die exit points. „Wenn jemand weiß, dass du Basejumpen warst, dann hast du etwas falsch gemacht“, sagt Blank.

Basejumper springen von Gebäuden, Sendemasten, Brücken und natürlichen Objekten, im Englischen zusammengefasst als BASE: Building, Antenna, Span und Earth. Auch die Variante mit dem Wingsuit, dem Flügelanzug, zählt dazu. Seit dem Jahr 1981 kamen weltweit 329 Basejumper ums Leben. Die Website www.blincmagazine.com führt sie namentlich auf. An 264. Stelle steht Ian Flanders, Matt Blanks Dauerpartner in Sachen Extremsport. Er starb am 23. Juli 2015 in der Türkei.

Er war 28 Jahre alt, Blank und er kannten sich seit zehn Jahren. Sie nahmen am Kemaliye Outdoor Festival teil, einer mehrtägigen Veranstaltung, die sich über die Jahre vom Basejumping-Wettbewerb zu einem Multisport-Event entwickelt hat. Kemaliye, 2.200 Einwohner, schmiegt sich umgeben von felsigen Hängen an das Ufer des Karasu, eines Zubringers des Euphrat. Der Fluss gräbt sich tief in die Karstberge im Osten der Türkei, am eindrucksvollsten nordwestlich von Kemaliye: Dort formen bis zu 600 Meter hohe Wände den Karanlik Canyon. An einer der engsten Stellen spannt in 480 Meter Höhe ein primitiver Sessellift über die Schlucht: ein fünfhundert Meter langes Drahtseil, daran ein einziges, offenes Gehänge aus Holz. Es erinnert ein wenig an eine Gartenbank. Wer darin Platz nimmt und hinausgondelt, sieht, dass sich der Canyon unten verjüngt wie ein Trichter. Der 23. Juli ist ein sonniger Tag, der früh beginnt für Flanders und Blank. In der Morgendämmerung sind sie zum Schluchtrand oberhalb von Kemaliye gewandert und springen mit ihren Wingsuits hinab. Alles geht glatt: Die Luf nimmt sie auf und nach etwa einer Dreiviertelminute landen sie sicher im Kavasu – ganz nebenbei der erste Wingsuit-Flug in der Türkei. Gegen zehn Uhr lassen sie sich sieben Kilometer flussaufwärts mit dem Sessellif über die Mitte des Canyons fahren, beobachtet von einigen hundert Zuschauern. Sie fühlen sich entspannt. Anders als vorhin wollen sie sich jetzt ohne Wingsuit senkrecht hinab in den Fluss fallen lassen, nur mit dem Fallschirm auf dem Rücken. Sie haben den Sprung gestern schon einmal gemacht, und ähnliche Sprünge schon hunderte Male – fast Routine … 

Das vollständige Porträt lesen Sie in LIMITS 1/2018.