Foto: Red Bull Content Pool / Dean Treml

Anna Bader: eine der besten Klippenspringerinnen der Welt

Wozu man alles in zweieinhalb Sekunden in der Lage ist! Die Konzentration ist so krass geschärft.

Lange steht sie da oben. Viel zu lange. Klar, es geht Wind, aber das kennt Anna Bader ja. Dafür kein Möwengeschrei wie sonst oft am Meer. Die Zuschauer halten eh den Atem an. Nichts als klare Schweizer Bergluft liegt zwischen ihr und dem Ziel, dem Vierwaldstättersee vor dem Ufer des Örtchens Sisikon.

Gleich wird alles sehr schnell gehen. 2,6 Sekunden braucht sie für die 21 Meter nach unten. Mit 75 km/h schlägt die zierliche Frau auf der Wasseroberfläche auf. Normalerweise. Aber das hier ist nicht normal. Denn statt sich wie schon tausend Mal zuvor von der Plattform nach vorn ins Nichts abzudrücken, tritt Anna Bader den Rückzug an, bricht den Versuch ab. Da kann der See da unten noch so verführerisch glitzern. Es geht einfach nicht. Mentale Blockade. Stufe für Stufe steigt sie wieder ab, wie einer dieser Maulhelden im Freibad, der sich oben dann doch nicht von Zehner getraut hat. Aber genau betrachtet ist der Rückzug, das Auch-mal-Nein-Sagen mutiger, als sich mit einem schlechten Gefühl in die Tiefe zu stürzen. Dann kann es nämlich richtig gefährlich werden.

Zwei Tage zuvor war an gleicher Stelle der US-Prof David Colturi verunglückt, bei einem sogenannten Teaser-Dive, der im Netz Lust auf die Veranstaltung machen soll. Wobei: Verunglückt trifft es nicht wirklich. Seine Landung war nicht perfekt, doch er stieg locker aus dem Wasser, posierte noch für Fotos. Erst am Abend klagte der angehende Mediziner über Unwohlsein, ließ sich ins Krankenhaus bringen – und lag kurz darauf auf dem OP-Tisch: Milzriss. Sein Profil auf der Website beginnt mit dem Satz: „Ich habe Angst vor den potenziellen Folgen eines missglückten Sprungs – fast so viel Angst wie vor einem Nine-to-five-Job.“

So sind sie, die Menschen, die von Klippen springen: Sonne im Gesicht und immer einen Spruch auf der Lippe. Wer aber mal einen Blick von oben riskiert hat, dem wird schnell klar, dass hier der Spaß aufhört. Heil runter kommt da nur, wer alle Sinne beisammen hat.

Die ganze Geschichte über Anna Bader und das Klippenspringen lesen Sie ab 28. September in LIMITS #2 – erhältlich am Kiosk oder gleich hier in unserem Shop.